Grundkonzept des Seminars



Es versteht sich, dass das Thema „Ethik in der Biotechnologie“ äußerst vielschichtig ist. Um die Vorträge und Diskussionen an den drei Seminartagen in etwas unterschiedliche Richtungen zu lenken wird an jedem Tag ein anderer Teilaspekt im Mittelpunkt stehen :

  • 1. Tag – Donnerstag: Einleitung in das Thema Ethik und Gentechnik
  • 2. Tag – Freitag: Einblick in die Praxis – ganztägige Exkursion zur Bayer AG
  • 3. Tag – Samstag: Grüne Bioethik
  • 4. Tag – Sonntag: Rote Bioethik


Einleitung in das Thema Ethik und Gentechnik

Am ersten Seminartag soll ein umfassender Einstieg in das Thema erreicht werden. In einem eröffnenden Vortrag sollen die Grundlagen der Gentechnik erklärt werden, um allen Stipendiaten den Umgang mit dem Thema zu ermöglichen. Daran schließt sich ein zweiter Vortrag über Embryonenschutz an. Die Möglichkeit werdendes Leben in besonderem Maße zu selektieren, wird in der Öffentlichkeit als besonders brisantes Thema wahrgenommen. Daher ist es besonders gut geeignet, einen Einstieg in die ethische Komponente der Thematik zu bieten.

Einblick in die Praxis – ganztägige Exkursion zur Bayer AG

Ein besonderer Schwerpunkt des Seminars liegt auf der Exkursion zu Bayer CropScience in Monheim. Der direkte Kontakt mit Repräsentanten dieses Unternehmens soll den Dialog fördern, fundiertes Wissen schaffen und einen Einblick gewähren, der so beeindruckend sonst nicht erreichbar ist.
Da es sich um einen außergewöhnlichen Programmpunkt während eines Seminars handelt, haben wir der Exkursion ein Extrakapitel gewidmet.

Grüne Bioethik

Der Samstag wird der Auseinandersetzung mit Aspekten der grünen Bioethik gewidmet sein. Dabei werden im Rahmen von dem Vortrag „Gen-Mais für die dritte Welt – globale Konsequenzen“ die Chancen und Risiken der grünen Gentechnik für die internationale Ernährungssicherung erläutert. Prof. Dr. Michael Krawinkel hat zu diesem Thema eine Studie für die Welthungerhilfe e.V. angefertigt.
Abends rundet die Podiumsdiskussion „grüne Bioethik“ diesen Themenblock ab. Diskutiert werden sollen mögliche Konsequenzen, die gentechnisch veränderte Pflanzen mit sich bringen. Dabei steht die Identifikation von Zielkonflikten und damit einhergehend die Entwicklung von Handlungskompetenzen im Mittelpunkt.

In der zweiten Tageshälfte werden sich die Teilnehmer in sechs zur Auswahl stehenden Workshops interaktiv mit der Materie beschäftigen. Geplant sind Arbeitsgruppen zu den folgenden Themen:

  • Neuronale Stammzellimplantate: Wie funktioniert das alles eigentlich? Anhand der Thematik der Neuronalen Stammzellimplantate soll auch für den absoluten Laien verständlich dargestellt werden, welche medizinischen Möglichkeiten es heute gibt. (Geleitet von Daniel Mackenrodt, Stipendiat der sdw)
  • Biotechnologie in den Medien: Ist die Presse ein "Stimmungsmacher" für oder gegen Gentechnik? Analysiert werden soll, welche Wirkung die Medien auf die öffentliche Meinung zu Fragen der Biotechnologie haben. (Geleitet von Thomas Listermann, Promotionsstipendiat der sdw)
  • Der gläserne Mensch – Auswirkungen auf die Gesellschaft: Welche Bedeutung hat eine völlige Entschlüsselung des Genoms eines Individuums für das soziale Zusammenleben? (Geleitet von einem Beauftragten für Datenschutz)
  • „China und Bioethik – eine kulturübergreifende Perspektive“: In China vollzog sich im letzten Jahrzehnt ein Übergang von der konventionellen zur "liberalen" Eugenik. Diskutiert werden soll, ob zwischen China und Deutschland ethische Unterschiede in der Haltung zur Gentechnologie bestehen. (Geleitet von Dr. Ole Döring, Experte zum Thema kulturübergreifende Bioethik und Medizinethik in China)
  • Biotechnologie und Religion: Verbietet das Christentum einen Eingriff in die Schöpfung? Die Frage der Ethik in der Biotechnologie soll vom Standpunkt der christlichen Kirchen aus geklärt werden. (Geleitet von Dr. Andreas Bell, KHG Frankfurt, Referent für Wissenschaftsethik, Lehrbeauftragter Uni Mainz)
  • Bioethik in der Kunst: Es werden verschiedene Künstler, die sich mit dem Thema Bioethik befasst haben, vorgestellt. Die in den Kunstwerken zum Ausdruck gebrachten Standpunkte sollen in der Gruppe erarbeitet und anschließend in eine allgemeine Diskussion eingebracht werden. (Geleitet von Anja Buck, Promovendin der Kunstgeschichte)

Die Präsentation der Ergebnisse wird im Plenum erfolgen.

Rote Bioethik


Am letzten Seminartag widmen wir uns im Rahmen eines Vortrages und einer weiteren Podiumsdiskussion speziell der roten Bioethik.
Einleitend wird das Thema „Genetische Diagnostik im sozialen Kontext“ erörtert. Sowohl Konflikte der individuellen Lebensplanung als auch mögliche Nachteile im Hinblick auf Kranken- oder Lebensversicherungen werden näher betrachtet.
Den Kernpunkt des letzten Seminartages stellt die Podiumsdiskussion zum Thema „rote Bioethik“ dar. In dieser wird mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und anderen Persönlichkeiten der Gesellschaft der Blinkwinkel auf das Klonen von Menschen, den Status des Embryos, sowie die Embryonenforschung und die Herstellung von embryonalen Stammzellen fokussiert. Wie weit darf der Mensch für den medizinischen Fortschritt gehen?
Mit dieser Abschlussveranstaltung wird die Aktualität und Brisanz des Seminarthemas und die Verschiedenartigkeit der Lösungsansätze noch einmal deutlich.